Weinreb Stiftung

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Erzählzeit

Friedrich Weinreb war in erster Linie ein Erzähler, ein Maggid. Er erzählte vor unterschiedlichster Zuhörerschaft. Sprechen war für ihn Ausdruck des Ewigen in das Diesseitige. Die Einzigartigkeit seiner Stimme und seines Erzählens veranlasste manche Hörerinnen und Hörer, die Seminare und Kurse frühzeitig aufzuzeichnen, zunächst in holländischer, später auch in deutscher Sprache. Der älteste im Tonarchiv vorhandene deutsche Vortrag wurde im Herbst 1969 aufgenommen und der letzte im Herbst 1988.

Es ist ein besonderes Erlebnis, die «bewahrte Stimme» von Friedrich Weinreb, der immer frei, ohne Manuskript erzählte, an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit für eine vom Zufall zusammengeführte Zuhörerschaft aufs Neue zu hören, sich dazu zu gesellen und so Raum und Zeit zu überbrücken. Spürt man doch, wie die Essenz seines Erzählens vom Mysterium bis in die Mitte des Alltags durchzudringen vermag.

Nach seinen Worten wird die mündliche Thora im Erzählen immer wieder neu in die jeweilige Zeit übersetzt:

«Im Judentum kennt man die schriftliche und die mündliche Thora. Die schriftliche ist das Wort Gottes, sie stammt aus dem Jenseits, heißt demgemäß die Heilige Schrift. Festgelegtes, Exaktes kann nur von einer Welt kommen, wo es so etwas gibt. In unserer Welt, wo die Zeit fließt und alles fortdauernd ändert, gibt es schon per definitionem kein Exaktes. Man kann hier nichts festlegen, es sei denn das, was im Zeitfluss eine kurze Frist so war. Absolutes gibt es in der Zeit nicht. Man sagt, dies sei so, damit man sich nach einem Gegenüber sehne, wo etwas Ewiges, immer Bleibendes lebt.

Die mündliche Thora kann äußerlich nicht exakt sein, es müssen dort sogar Verschiedenheiten vorherrschen, sogar Widersprüche. Jeder Mensch ist im Prinzip von jedem anderen verschieden, wie die Momente im Zeitfluss voneinander verschieden sein müssen. Aber in jedem Menschen, wie verschieden von jedem anderen er auch sein mag, kann aus seiner intimen Sehnsucht nach dem Ewigen, aus seiner Hingabe dem Liebenden, Verborgenen gegenüber, indem er das Schicksal im Gespräch mit dem Jenseitigen hinnimmt, das Heilige wohnen.» (F. Weinreb, «Die bewahrte Stimme», Thauros Verlag 1983).

 

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